Mikroplastik in Spülmaschinentabs?
„Ohne Mikroplastik“ steht inzwischen auf vielen Packungen. Gleichzeitig liest man, die wasserlösliche Folie um die Tabs sei flüssiges Plastik. Was davon stimmt, hängt vor allem an einer Unterscheidung: feste Plastikpartikel gegen gelöste Polymere.
Was ist Mikroplastik, und was nicht?
Die EU hat Mikroplastik in der Verordnung (EU) 2023/2055 als synthetische Polymermikropartikel geregelt: feste Kunststoffteilchen unter fünf Millimetern, die unlöslich und schwer abbaubar sind. Wasserlösliche Polymere fallen ausdrücklich nicht darunter. Der Blaue Engel für Maschinengeschirrspülmittel (DE-UZ 201) definiert Mikroplastik ähnlich als feste Kunststoffpartikel zwischen 1 Nanometer und 5 Millimetern.
| Stoff | Fest oder gelöst? | Rechtlich Mikroplastik? | Funktion im Tab |
|---|---|---|---|
| Feste Kunststoffpartikel | fest | Ja | In Tabs normalerweise ohne Funktion, laut UBA in der Regel nicht enthalten |
| Polycarboxylate, Polyacrylate | gelöst | Nein | Verhindern Kalk- und Schmutzablagerungen |
| Polyvinylalkohol (PVA) | gelöst | Nein | Wasserlösliche Hülle um den Tab |
| Plastikfolie zum Aufreißen | fest | Nein, normaler Verpackungsmüll | Feuchtigkeitsschutz |
Welche weiteren Stoffe in Tabs stecken, erklären wir unter Inhaltsstoffe von Spülmaschinentabs.
Enthalten Spülmaschinentabs Mikroplastik?
Im engen Sinn meist nicht. Marcus Gast vom Umweltbundesamt sagte der Stiftung Warentest im Januar 2024, Spültabs enthielten im Normalfall kein Mikroplastik, weil es dort keine Funktion hätte. Der Hinweis „ohne Mikroplastik“ stehe drauf, weil Verbraucher das erwarten (test.de, 25.01.2024). Das Siegel-Versprechen ist also meist korrekt, aber wenig aussagekräftig.
Die eigentliche Debatte dreht sich um gelöste Polymere. Greenpeace Österreich weist in einem Factsheet vom September 2024 darauf hin, dass feste Partikel kaum noch vorkommen, wasserlösliche synthetische Polymere wie Polycarboxylate, Polyacrylate und PVA aber weiter eingesetzt werden. Werden sie in der Kläranlage nicht vollständig zersetzt, können sie in die Umwelt gelangen.
Die PVA-Folie: Was über den Abbau bekannt ist
Polyvinylalkohol ist ein synthetisches Polymer, das sich in Wasser löst. Die Folie verschwindet in der Spülmaschine also nicht, sondern geht gelöst ins Abwasser. Die Einschätzungen gehen auseinander:
- Umweltbundesamt: PVA geht ins Abwasser, erhöht die Chemikalienbelastung in Kläranlagen, wird aber biologisch abgebaut (Interview auf test.de, 02/2024).
- Kritische Stimmen: Greenpeace Österreich (Factsheet 09/2024) hält es für nicht endgültig geklärt, ob PVA in Kläranlagen und in der Natur vollständig abgebaut wird. Zudem wird die Folie auf Erdölbasis hergestellt.
- Abwägung: Das UBA wiegt PVA-Folie und klassische Plastikfolie ausdrücklich nicht gegeneinander auf. Die Plastikfolie landet als Abfall im gelben Sack, PVA im Abwasser.
Mehr zur Folie selbst, auch ob du sie abmachen solltest, steht unter Wasserlösliche Folie bei Tabs.
Was das EU-Verbot und die Umweltsiegel regeln
Das EU-weite Verbot von absichtlich zugesetztem Mikroplastik gilt für Wasch- und Reinigungsmittel nach einer Übergangsfrist ab Oktober 2028. Gelöste Polymere wie PVA oder Polycarboxylate betrifft es nicht.
Strenger sind die Umweltzeichen: Der Blaue Engel (DE-UZ 201) und das EU Ecolabel schließen Mikroplastik in Maschinengeschirrspülmitteln aus. Der Blaue Engel zählt selbstauflösende Folien ausdrücklich zur Rezeptur, sie müssen also dieselben Anforderungen an Abbaubarkeit und Umweltverträglichkeit erfüllen wie die übrigen Inhaltsstoffe. Einen Überblick über alle relevanten Siegel bietet Umweltsiegel bei Spülmaschinentabs.
Tabs ohne Plastik: Die Alternativen
Wenn du gelöste Polymere und Plastikmüll reduzieren willst, hast du mehrere Möglichkeiten:
- Tabs ohne Folie: Gepresste Tabs ohne Hülle, meist im Karton oder in einer Nachfüllpackung. Sie sind etwas empfindlicher gegen Feuchtigkeit.
- Pulver im Karton: Lässt sich genau dosieren und kommt ohne Einzelverpackung aus. Mehr dazu unter Tabs vs. Pulver.
- Produkte mit Umweltzeichen: Blauer Engel und EU Ecolabel prüfen auch die übrigen Inhaltsstoffe, nicht nur das Mikroplastik.
Eine Übersicht über plastikfreie Produkte findest du unter Spülmaschinentabs ohne Plastik und Nachhaltige Spülmaschinentabs. Wichtig dabei: Die Reinigungsleistung sollte stimmen. Im Monotab-Test der Stiftung Warentest (02/2024) wurde der Öko-Anbieter everdrop Testsieger mit der Note 2,0. Wer schlechter reinigt, braucht öfter einen zweiten Spülgang, und das kostet Wasser und Energie.
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Was du sonst für weniger Belastung tun kannst
- Nicht überdosieren: Ein Tab pro Spülgang reicht. Zwei Tabs bedeuten doppelte Polymer- und Chemikalienfracht.
- Volle Maschine: Erst starten, wenn die Maschine voll ist.
- Eco-Programm nutzen: Spart Energie und Wasser, mehr unter Eco-Programm.
- Phosphate im Blick: Was die EU seit 2017 bei Phosphor regelt, steht unter Phosphatfreie Spülmaschinentabs.
Mehr Wissen rund ums Spülen findest du im Ratgeber, aktuelle Testergebnisse im Spülmaschinentabs-Test.
Häufige Fragen zu Mikroplastik in Spülmaschinentabs
Ist die wasserlösliche Folie Mikroplastik?
Rechtlich nein, weil sich PVA in Wasser löst und keine festen Partikel bildet. Ob es in der Umwelt vollständig abgebaut wird, beurteilen Umweltbundesamt und Umweltverbände unterschiedlich.
Was bedeutet „ohne Mikroplastik“ auf der Packung?
Dass keine festen Kunststoffpartikel zugesetzt sind. Laut Umweltbundesamt ist das bei Spültabs ohnehin der Normalfall, gelöste Polymere können trotzdem enthalten sein.
Ab wann ist Mikroplastik in Reinigungsmitteln verboten?
Die EU-Verordnung 2023/2055 sieht für Wasch- und Reinigungsmittel eine Übergangsfrist bis Oktober 2028 vor. Gelöste Polymere sind davon nicht betroffen.
Welche Siegel garantieren Tabs ohne Mikroplastik?
Blauer Engel und EU Ecolabel schließen Mikroplastik in Maschinengeschirrspülmitteln aus. Beide prüfen zusätzlich Abbaubarkeit und Umweltwirkung der übrigen Inhaltsstoffe.